
Du hast eine Weiterbildung gefunden, die perfekt zu dir passt. Du weißt, was du lernen möchtest, warum es dich weiterbringt. Also eigentlich fehlt nur noch ein kleines „Ja“ deiner Führungskraft.
Und dann passiert … nichts.
Deine Führungskraft reagiert nicht. Oder sie bietet dir stattdessen die nächste Excel-Schulung an. Oder es heißt: „Dafür haben wir leider kein Budget.“
Kommt dir das bekannt vor?
Dass Assistenzen bei ihrer beruflichen Entwicklung gerne einmal übersehen werden, ist leider keine neue Erkenntnis. Es gibt kaum ein Karrierethema, das davon verschont bleibt. Und auch bei Weiterbildungen kann dieses Übersehenwerden auf die Dauer ziemlich stören.
Manchmal kann es ja ganz praktisch sein, übersehen zu werden. Aber das ist heute nicht unser Thema. 😉
Wenn du dich beruflich weiterentwickeln möchtest, hilft deshalb zunächst eine ganz einfache Frage:
Warum bekomme ich die Weiterbildung, die ich möchte, eigentlich nicht?
Denn je nachdem, was dahintersteckt, brauchst du eine andere Strategie.
1. Deine Führungskraft weiß gar nicht, dass du diese Weiterbildung möchtest
Du hast die Weiterbildung längst gefunden. Du hast dich informiert, vielleicht schon den Link weitergeleitet und das Thema nebenbei zwei- oder dreimal erwähnt.
Und trotzdem passiert nichts.
Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass deine Führungskraft deinen Wunsch ablehnt. Vielleicht ist sie schlicht noch gar nicht richtig angekommen.
Führungskräfte haben hundert Themen auf dem Tisch. Würden sie auf jede Information reagieren, die ihnen irgendwie zugeleitet wird, kämen sie vermutlich nicht mehr dazu, die wirklich wichtigen Dinge zu erledigen.
Viele Führungskräfte sind deshalb ziemlich gut darin, innerhalb kürzester Zeit zu entscheiden: Ist das gerade relevant – oder kann diese Information im Rauschen der täglichen Informationsflut verschwinden?
Wenn du deinen Weiterbildungswunsch also eher leise und unaufgeregt irgendwo zwischen zwei anderen Themen platzierst, kann es passieren, dass er genau dort landet: im Rauschen.
Ich vergleiche das gerne mit einem etwas gestressten Kellner. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Kellner, die ihren Bereich zeitweise nicht mehr ganz im Griff haben, plötzlich Scheuklappen aufsetzen? Du kannst winken, lächeln und Blickkontakt suchen – und trotzdem scheint dich niemand zu sehen.
Diesen Selbstschutz haben wir vermutlich alle. Vielleicht hat deine Führungskraft genau solche Scheuklappen auf, wenn du deine Weiterbildung ansprichst.
Also: Mach aus deinem Wunsch ein eigenes Thema.
Vereinbare einen kurzen Termin und gib ihm einen eindeutigen Titel, zum Beispiel:
Personalentwicklung: Weiterbildung [dein Name]
Damit ist ziemlich klar: Heute geht es nicht um das nächste Meeting und auch nicht um die Urlaubsplanung. Heute geht es um dich und deine Entwicklung.
Sofern es bei euch im Unternehmen jährliche Entwicklungsgespräche gibt, sorge dafür, dass deines stattfindet und dass du gut darauf vorbereitet bist und bereits deine Lieblingsweiterbildung mitbringst.
2. Deine Führungskraft sieht keinen Mehrwert
Manchmal ist es ganz simpel: Wenn du und deine Führungskraft ein entspanntes und vertrauensvolles Verhältnis habt, kann ein „Wenn ich jetzt schnell das Okay bekomme, nerve ich dich nicht weiter“ durchaus funktionieren.
Häufig reicht das allerdings nicht, denn Führungskräfte fragen sich verständlicherweise: Was bringt denn diese Weiterbildung?
Daher solltest du diese Frage beantworten können, und zwar bevor sie gestellt wird. Nicht nur:
„Ich möchte das echt gerne lernen.“
Stattdessen überlege dir gleich zusätzlich:
„Was hat meine Führungskraft beziehungsweise das Unternehmen davon?“
Je besser du deine Führungskraft, ihre Prioritäten und ihre Persönlichkeit kennst, desto besser kannst du den Nutzen formulieren.
Was könntest du nach der Weiterbildung zusätzlich übernehmen?
Wo könntest du das neue Wissen unmittelbar einsetzen?
Welche Aufgaben könntest du dadurch besser oder schneller erledigen?
Wie könntest du deine Führungskraft noch gezielter unterstützen?
Suche nach der konkreten Auswirkung deiner Weiterbildung.
Denn „Ich möchte mich weiterentwickeln“ ist ein gutes persönliches Motiv.
„Nach dieser Weiterbildung kann ich X übernehmen und euch bei Y entlasten“ ist ein gutes Unternehmensargument.
3. Deine Führungskraft hält die Weiterbildung nicht für passend
Natürlich kann es auch passieren, dass deine Führungskraft sagt:
„Ich glaube nicht, dass das das Richtige für dich ist.“
Und manchmal sind wir auf so einen Einwand überhaupt nicht vorbereitet.
Vor allem dann nicht, wenn er für uns völlig absurd klingt.
Hier lohnt es sich, nicht sofort in den Verteidigungsmodus zu gehen. Auch wenn du innerlich vielleicht schon denkst: „Wie bitte? Hast du überhaupt zugehört?“
Frag nach.
Warum glaubt deine Führungskraft, dass die Weiterbildung nicht zu dir passt?
Vielleicht kannst du ein Bedenken ausräumen. Vielleicht gibt es tatsächlich einen Punkt, den du bisher übersehen hast.
Falls du im Gespräch spontan keine gute Antwort findest (manchmal kommt so ein Gegenargument halt wirklich überraschend), musst du auch nicht verzweifelt nach einer suchen.
Du kannst ganz ehrlich und souverän sagen:
„Mit dieser Sichtweise hatte ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet. Können wir darüber nächste Woche noch einmal kurz sprechen? Ich möchte dir in Ruhe zeigen, was ich genau meine.“
So verschaffst du dir Zeit, dich noch besser vorzubereiten – diesmal auch auf die Aspekte, auf die du vorher noch gar nicht gekommen warst.
Manchmal lohnt es sich übrigens auch, die Perspektive umzudrehen:
Vielleicht bietet dir deine Führungskraft eine Weiterbildung an, die du für viel zu simpel hältst. Die dritte Excel-Schulung, obwohl du Excel inzwischen vermutlich auch im Schlaf bedienen könntest.
Dann sammle Fakten.
Was kannst du bereits? Was brauchst du tatsächlich? Welche Aufgaben erledigst du heute schon? Und welche Kompetenzen möchtest du stattdessen aufbauen?
Aber auch hier gilt: Frag nach.
Warum glaubt deine Führungskraft, dass dir genau dieses Wissen noch fehlt?
Sollte sie dir im Gegenteil eine Weiterbildung anbieten, die du für zu schwierig hältst, darfst du ebenfalls nachfragen.
Ja, vielleicht überschätzt sie dich. Vielleicht unterschätzt du dich aber auch selbst!
Womöglich kann deine Führungskraft dadurch auch etwas aus dir herauskitzeln, mit dem du selbst noch gar nicht gerechnet hast.
Einfach mal mutig sein?
4. Es gibt kein ausreichendes Budget
Klassischer Absagegrund 😉
Viele Unternehmen haben ein Budget für die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden. Manche Weiterbildungen sprengen dieses Budget schlicht.
Das ist ärgerlich – aber noch nicht unbedingt das Ende der Geschichte. Auch bei einem zu kleinen Budget gibt es manchmal Spielraum.
Vielleicht kann das Budget dieses Jahr nicht reichen, aber im nächsten Jahr genutzt werden.
Vielleicht könnt ihr euch die Kosten teilen.
Vielleicht übernimmt das Unternehmen die Arbeitszeit und du die Weiterbildungskosten.
Vielleicht kommt Bildungsurlaub infrage.
Oder es gibt eine vertragliche Vereinbarung, nach der du dich für einen bestimmten Zeitraum an das Unternehmen bindest, beziehungsweise bei einer früheren Kündigung einen Teil der Kosten zurückzahlen musst.
Es lohnt sich also, nicht beim ersten „Dafür haben wir kein Budget“ sofort innerlich die Akte zu schließen. Frag stattdessen nach.
Eine wichtige Erkenntnis möchte ich dir mitgeben:
Deine Weiterentwicklung ist eine Investition in dich selbst.
Und kein Unternehmen und keine Führungskraft der Welt sollte dich grundsätzlich davon abhalten, fachlich und persönlich zu wachsen.
5. Für Assistenzen ist Weiterbildung gar nicht vorgesehen
Das ist die unangenehmste Variante aber leider nicht ganz unrealistisch.
In manchen Unternehmen gibt es Weiterbildung für fast alle Berufsgruppen – nur die Assistenz fällt irgendwie durchs Raster.
Als gäbe es für Assistenzen einen kleinen unsichtbaren Vermerk in der Personalentwicklung:
„Ach ja, da müssen wir nichts machen. Das, was die Assistenzen können müssen, können sie schon.“
Dass das nicht nur ungerecht, sondern auch ziemlich kurzsichtig ist, liegt eigentlich auf der Hand.
Meine Erfahrung ist außerdem, dass das Weiterbildungsbudget für Assistenzen (falls es eins gibt) in vielen Unternehmen kleiner angesetzt wird als für andere Mitarbeitende.
Eine wirklich gute Begründung dafür gibt es meistens nicht. Und solange kaum jemand etwas dagegen sagt, bleiben gewachsene Strukturen eben bestehen.
Wenn du also merkst, dass du mit deinem Wunsch auf großes Unverständnis stößt und auch deine Hinweise auf den Mehrwert (siehe 2.) nicht auf offene Ohren stoßen, solltest du dir eine wichtige Frage stellen:
Ist das ein Kampf, in den ich meine Energie investieren möchte?
Denn manchmal lohnt es sich, für Veränderungen zu kämpfen – für dich selbst und für andere.
Manchmal ist es aber auch klüger, die eigene Energie dort einzusetzen, wo sie tatsächlich etwas bewegen kann.
Selbst ist die Assistenz
Und was machst du, wenn das Unternehmen als Sponsor deiner beruflichen Entwicklung nicht zur Verfügung steht? Oder vielleicht auch gar nicht zur Verfügung stehen soll?
Denn ja: Manchmal möchten wir uns bewusst in eine Richtung weiterentwickeln, die uns irgendwann aus unserer aktuellen Position oder sogar aus unserem Unternehmen herausführt.
Dann darfst du deine Weiterentwicklung selbst in die Hand nehmen.
Für mich war das schon sehr früh selbstverständlich.
Seit direkt nach meiner Ausbildung habe ich mir immer ein eigenes Budget für Weiterbildung zur Seite gelegt. Je nach Arbeitgeber war es zusätzlich zu einem vorhandenen Weiterbildungsbudget oder sogar das einzige Budget, das mir für meine Entwicklung zur Verfügung stand.
Das Schöne daran: Hier redet dir niemand rein.
Nur du selbst musst davon überzeugt sein, dass ein Thema interessant und wichtig für dich ist.
Es muss nicht zwingend zu deiner aktuellen Aufgabe passen. Es muss nicht einmal zwingend zu deinem nächsten Karriereziel passen. Vielleicht möchtest du einfach etwas lernen, weil es dich interessiert. Das ist Grund genug.
Für jedes Thema und für jedes Budget gibt es Möglichkeiten. Manchmal muss man nur ein bisschen suchen.
Eine Investition in dich selbst
Ich habe über die Jahre einige Weiterbildungen gemacht, bei denen mein Umfeld kopfschüttelnd danebenstand und sich vermutlich gefragt hat:
„Was soll das? Was will sie denn damit?“
Meine Antwort darauf lautet heute ziemlich entspannt:
Ich wollte es lernen.
Eine Rechtfertigung ist nämlich gar nicht nötig.
Etwas lernen zu dürfen, das du selbst ausgesucht hast, ist eine ganz eigene Art von Wellness.
Und nicht jede Weiterbildung muss am nächsten Montag ein messbares Ergebnis produzieren.
Natürlich ist es wunderbar, wenn du nach einer Weiterbildung sofort etwas Neues anwenden kannst. Aber Lernen funktioniert manchmal auch viel langfristiger.
Alles, was du lernst, wird Teil deines persönlichen Erfahrungs- und Wissensschatzes. Und den kann dir niemand mehr nehmen.
Wenn du also das Gefühl hast: „Diese Weiterbildung ist gerade genau richtig für mich.“ Dann ist sie das. Ermögliche sie dir. Und genieße jede Sekunde davon.
Wenn dein finanzieller Spielraum begrenzt ist, schau dich zunächst nach kostenfreien oder günstigen Angeboten um. Auch damit kannst du erstaunlich weit kommen.
Vielleicht ist genau das der nächste Schritt, den du für deine Karriere brauchst: nicht darauf zu warten, dass jemand anderes dir die Erlaubnis zur Weiterentwicklung gibt.
Du entscheidest einfach selbst, was du als Nächstes lernen möchtest.
Wenn du dich für Themen rund um Karrieregestaltung, Positionierung und persönliche Weiterentwicklung interessierst, findest du in meinem Bereich Offene Trainings regelmäßig kostenfreie und günstige Seminare und Weiterbildungen für ambitionierte Assistenzen.
Und wenn eine Ratenzahlung dir die Teilnahme ermöglichen würde, sprich mich gerne an.
Denn manchmal braucht es für den nächsten Karriereschritt keine große Erlaubnis.
Sondern einfach den Mut, ihn selbst anzustoßen.
PS: Wenn dich das Thema New Learning Interessiert, ist das Webinar „New Learning für die Assistenz“ vielleicht etwas für dich!
Du willst mehr?
Wenn du lernen willst, deine Karriereziele zu definieren, sie konsequent und erfolgreich zu verfolgen und dich dabei angemessen zu präsentieren, ist die Weiterbildung Jobcrafting & Journaling für ambitionierte Assistenzen etwas für dich!
Die Autorin
Judith Ahrholdt war über 20 Jahre im Assistenzumfeld tätig als Abteilungsleiterin für Assistenzen und hat sich intensiv mit moderner Rollenentwicklung und Jobcrafting beschäftigt. Sie ist zertifizierte Trainerin und Autorin.


