Personal Branding im Job: Was der Geschirrspüler im Büro über deine Karriere verrät

Es beginnt oft mit einer Kleinigkeit.


Ein paar schmutzige Tassen in der Büroküche. Ein überquellender Geschirrspüler. Niemand fühlt sich zuständig. Also kümmerst du dich eben schnell selbst darum. Schließlich dauert es nur zwei Minuten.


Zwei Minuten, die auf den ersten Blick harmlos wirken. Und die auf den zweiten Blick mehr über deine Karriere aussagen können, als dir vielleicht bewusst ist. Denn im Berufsleben geht es längst nicht nur darum, wie gut du arbeitest und wie fleißig du bist. Es geht auch darum, wofür du wahrgenommen wirst.


Gerade für ambitionierte Assistenzen, die mehr Verantwortung übernehmen, strategischer arbeiten oder den nächsten Karriereschritt planen, ist das ein entscheidendes Thema. Die unbequeme Wahrheit ist:


Menschen bewerten nicht deine gesamte Kompetenz. Sie bewerten vor allem das, was sie von dir sehen. Und manchmal ist das eben der Geschirrspüler.

Sichtbarkeit im Unternehmen: Warum Kompetenz allein oft nicht reicht

Viele Assistenzen leisten täglich deutlich mehr, als ihr Umfeld wahrnimmt.

Sie

  • steuern komplexe Kalenderstrukturen,
  • entschärfen politische Spannungen zwischen Teams,
  • bereiten Management-Entscheidungen vor,
  • erkennen Risiken, bevor sie eskalieren,
  • halten operative Systeme am Laufen.

Ein Großteil dieser Arbeit ist allerdings unsichtbar. Strategisches Mitdenken sieht niemand. Krisenprävention feiert niemand. Vorausschauendes Handeln bleibt normalerweise unbemerkt, gerade dann, wenn es besonders gut gemacht wurde.

Was sichtbar ist, sind dagegen oft kleine, alltägliche Situationen:

  • Du organisierst spontan den Meetingraum.
  • Du räumst das benutzte Geschirr weg.
  • Du druckst Unterlagen in letzter Minute.
  • Du kümmerst dich „mal eben“ um Dinge, die sonst niemand macht.

Und genau hier beginnt Personal Branding im Unternehmen.

Personal Branding im Job: Dein beruflicher Trailer

Ich vergleiche Personal Branding gern mit einem Filmtrailer.
Ein Trailer zeigt nie den ganzen Film. Er zeigt nur ausgewählte Szenen.


Genau diese Ausschnitte sind entscheidend dafür, welches Bild Menschen vom Film entwickeln.


Im Berufsleben ist das ähnlich. Kolleg:innen, Führungskräfte und Stakeholder sehen nie dein komplettes Leistungsspektrum. Sie sehen nur einzelne Momente:

  • wie du sprichst,
  • wie du Entscheidungen triffst,
  • welche Aufgaben du sichtbar übernimmst,
  • wie du auftrittst,
  • welche Probleme du löst.

Aus diesen Ausschnitten entsteht dein berufliches Image.
Nicht bewusst. Sondern meist unbewusst.

Der Geschirrspüler-Effekt: Was kleine Aufgaben mit deiner Positionierung machen

Nehmen wir das Beispiel Büroküche.

Fall 1: Die Aufgabe gehört offiziell zu deiner Rolle

Wenn Ordnung und Organisation tatsächlich Teil deiner Position sind, kann Sichtbarkeit hier sogar positiv wirken.
Du sendest Signale wie:

  • zuverlässig
  • strukturiert
  • verantwortungsbewusst
  • teamorientiert

Das unterstützt deine Positionierung.

Fall 2: Alle im Team rotieren fair durch

Auch hier kann Sichtbarkeit positiv sein.
Wer Verantwortung übernimmt, ohne sich zu wichtig zu nehmen, wird oft als:

  • kollegial
  • professionell
  • verbindlich

wahrgenommen.
Gerade in modernen Organisationen ist das wertvoll.

Fall 3: Du bist eigentlich für ganz andere Dinge da – machst es aber ständig trotzdem

Hier wird es kritisch.
Denn Menschen beginnen, dich mit dem zu verbinden, was sie regelmäßig von dir sehen.
Wenn du immer wieder Aufgaben übernimmst, die unterhalb deiner eigentlichen Kompetenzebene liegen, passiert etwas Gefährliches:
Andere verknüpfen dich unbewusst mit genau dieser Rolle.
Nicht, weil sie deine Fähigkeiten unterschätzen wollen, sondern weil Sichtbarkeit Wahrnehmung formt.

Warum besonders Assistenzen davon betroffen sind

Kaum eine Rolle ist so anfällig für Fehlwahrnehmung wie die Assistenz.

Warum?
Weil Assistenzen oft hochkomplexe Arbeit leisten, die nach außen einfach aussieht.
Ein perfekt vorbereiteter Vorstandstermin wirkt mühelos. Eine elegant gelöste Eskalation hinterlässt selten Spuren. Ein verhinderter Konflikt taucht in keinem Reporting auf.


Die Folge:
Viele Assistenzen werden für ihre Hilfsbereitschaft geschätzt, aber nicht automatisch für ihre strategische Kompetenz gesehen.
Und genau deshalb ist Executive Assistant Personal Branding kein Luxus.
Es ist Karrierearbeit.

Karriereplanung für Assistenzen: Wofür möchtest du bekannt sein?

Wenn du wachsen willst, solltest du dir regelmäßig diese Frage stellen:
Wofür sollen Menschen in meinem Unternehmen spontan an mich denken?
Zum Beispiel:

  • „Sie denkt drei Schritte voraus.“
  • „Er bringt Ruhe in komplexe Situationen.“
  • „Sie hat starken Business-Sense.“
  • „Er erkennt Risiken früh.“
  • „Sie kann mit C-Level umgehen.“

Oder soll dein Name vor allem mit „macht alles, was liegen bleibt“ verbunden sein?
Das klingt hart. Aber genau diese Reflexion unterscheidet oft Assistenzen, die stagnieren, von denen, die gezielt aufsteigen

5 Fragen für dein Personal Branding im Unternehmen

Wenn du deine Sichtbarkeit strategischer steuern möchtest, frage dich:

  1. Welche Aufgaben sehen andere regelmäßig von mir?
  2. Welche meiner stärksten Kompetenzen bleiben bisher unsichtbar?
  3. Wofür werde ich spontan um Hilfe gebeten?
  4. Unterstützt diese Wahrnehmung mein nächstes Karriereziel?
  5. Welche Situationen sollte ich künftig bewusster gestalten?

Fazit: Karriere entsteht nicht nur durch Leistung – sondern durch Wahrnehmung

Leistung ist wichtig. Aber Leistung ohne Sichtbarkeit bleibt oft unter Wert.

Gerade als ambitionierte Assistenz solltest du verstehen:
Deine Karriere entwickelt sich nicht nur durch das, was du kannst, sondern auch durch das, was andere immer wieder von dir sehen.
Und manchmal beginnt diese Erkenntnis… direkt neben dem Geschirrspüler.


Personal Branding ist ein zentraler Bestandteil von Jobcrafting.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest, ist mein Training „Jobcrafting & Journaling“ vielleicht etwas für dich.


Die Autorin

Judith Ahrholdt war über 20 Jahre im Assistenzumfeld tätig als Abteilungsleiterin für Assistenzen und hat sich intensiv mit moderner Rollenentwicklung und Jobcrafting beschäftigt. Sie ist zertifizierte Trainerin und Autorin.

Judith Ahrholdt