
Es gibt Fragen, auf die bereitet man sich erstaunlich selten vor, obwohl die Antworten entscheidend sein können. Immer wieder geraten wir im Job in Situationen, in denen wir uns – in aller Kürze – vorstellen sollen.
Vielleicht kommt deine Führungskraft mit der neuen Bereichsleitung ins Büro und sagt: „Das hier ist [dein Name]. Sie stellt sich am besten selbst kurz vor.“
Oder du sitzt in einem Projektmeeting. Eine neue Kollegin aus einem anderen Bereich kommt dazu und die Projektleitung eröffnet die Vorstellungsrunde mit den Worten: „Dann fangen wir doch bei dir an.“
Oder du bist auf einer Netzwerkveranstaltung und jemand fragt dich beim ersten Gespräch: „Und was machen Sie beruflich?“
Diese Momente dauern oft nur wenige Sekunden – können aber einen erstaunlich nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Dein Elevator Pitch: 30 Sekunden, die in Erinnerung bleiben
Genau für solche Situationen gibt es den Elevator Pitch (wörtlich „Fahrstuhl-Vorstellung“).
Die Idee dahinter ist einfach: Stell dir vor, du hättest nur eine kurze Aufzugfahrt lang Zeit, um dich und deine Rolle so zu erklären, dass dein Gegenüber versteht, wer du bist, was du tust und wofür du stehst.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel zu erzählen, sondern darum die Informationen auszuwählen, auf die es dir wirklich ankommt.
Drei typische Fehler
Fehler 1: Du erzählst einfach alles
Viele Assistenzen beginnen dann, ihre Aufgaben aufzuzählen.
„Ich organisiere Termine, Reisen, Veranstaltungen, bereite Meetings vor, kümmere mich um Rechnungen, schreibe Protokolle, …“
Das Problem:
Wir wissen alle, dass Aufgabenlisten von Assistenzen keine Seiten, sondern Kataloge füllen könnten. Je länger die Liste aber wird, desto weniger bleibt beim Gegenüber hängen.
Am Ende erinnert sich die Person vielleicht noch an Termine, Organisation und den Geschirrspüler.
Nicht gerade das Bild, das du vermitteln möchtest.
Fehler 2: Du bleibst zu unkonkret
Andere machen genau das Gegenteil.
„Ich kümmere mich hier eigentlich um alles Organisatorische.“
Oder – zum Beispiel zu neuen Kolleginnen und Kollegen:
„Bei Fragen können Sie jederzeit zu mir kommen.“
Das klingt freundlich – hilft deinem Gegenüber aber kaum weiter. Dir übrigens genauso wenig:
Im schlimmsten Fall denken sie tatsächlich, sie könnten mit jeder Kleinigkeit bei dir vorbeikommen.
Fehler 3: Du machst dich kleiner, als du bist
Vielleicht kennst du solche Formulierungen:
„Ich mache eigentlich nichts Besonderes.“
„Ich unterstütze hier ein bisschen.“
„Ich helfe meinem Chef bei organisatorischen Themen.“
Was bei deinem Gegenüber ankommt, ist dann oft, dass deine Arbeit hat keinen großen Einfluss hat und eher auf Hilfskraft-Niveau einzuordnen ist. Dabei stimmt meistens genau das Gegenteil.
Überlege dir, welches Bild entstehen soll
Ein guter Elevator Pitch beschreibt nicht deine komplette Stellenbeschreibung bis ins Detail.
Er beschreibt das Bild, das in den Köpfen anderer entstehen soll.
Frage dich deshalb:
- Wofür möchte ich wahrgenommen werden?
- Welche drei Themen beschreiben meine Rolle am besten?
- Womit möchte ich künftig verbunden werden?
- Bei welchen Fragestellungen sollen Kolleginnen und Kollegen später an mich denken?
Gerade ambitionierte Assistenzen dürfen dabei ruhig zeigen, wenn sie strategisch arbeiten, Projekte steuern oder Veränderungen begleiten.
Sprich über deine Wirkung – nicht nur über deine Aufgaben
Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, nur Tätigkeiten zu nennen. Viel spannender ist aber die Wirkung dahinter.
Statt zu sagen: „Ich organisiere die Termine der Geschäftsführung.“ könntest du sagen:
„Ich sorge dafür, dass unsere Geschäftsführung den Kopf frei hat, um sich auf strategische Entscheidungen zu konzentrieren.“
Das beschreibt dieselbe Aufgabe – macht ihren Wert aber viel deutlicher.
Ein Beispiel, wie ein guter Elevator Pitch einer Executive Assistant aussehen könnte:
Ich bin Assistenz der Geschäftsführung und sorge dafür, dass strategische Projekte, Entscheidungen und Kommunikation im Hintergrund reibungslos ineinandergreifen. Besonders gerne übernehme ich bereichsübergreifende Koordination und optimiere Prozesse, damit sich unsere Führungskräfte auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können.
(Beispiel-Elevator-Pitch)
Sprich über Themen, denen du Gewicht verleihen möchtest
Themen, die dich gerade umtreiben, die dich interessieren und auf die du den Fokus legen möchtest, sollten vorkommen. Im Umkehrschluss lass Themen weg, wenn du nicht möchtest, dass andere dich damit in Verbindung bringen. Wenn du beim Jobcrafting Themen identifiziert hast, auf die du dich konzentrieren möchtest, sollten sie in deinem Elevator Pitch vorkommen. Wenn es auch Themen gibt, von denen du dich eh zukünftig verabschieden möchtest, lass sie auch in der Vorstellung schon einmal weg. So malst du bei neuen Bekanntschaften – und bei alten, die gerade zuhören – gleich ein besseres Bild als bisher.
Formuliere souverän
Vermeide unnötige Weichmacher wie:
- „Ich versuche …“
- „ein bisschen“
- „eigentlich“
- „Ich unterstütze …“
Nutze stattdessen klare Formulierungen:
- „Ich sorge dafür, dass …“
- „Ich bin verantwortlich für …“
- „Ich koordiniere …“
- „Ich verantworte …“
- „Mein Schwerpunkt liegt auf …“
Natürlich sollte es der Wahrheit entsprechen – versteht sich von selbst. Das wirkt weder arrogant noch unfreundlich. Es wirkt professionell.
Ein Vergleich, den du nicht vergessen wirst
Stell dir vor, die Pilotin im Flugzeug begrüßt dich merklich verlegen und mit leisen Worten:
„Ich bin so eine Art Pilotin und soll Sie heute nach Rom fliegen. Meistens klappt das schon ganz gut.“
Vermutlich würdest du ziemlich nervös werden. 😉
Sagt dieselbe Pilotin stattdessen mit selbstbewusster Stimme: „Ich bin heute Ihre Pilotin und sorge dafür, dass Sie sicher und entspannt nach Rom kommen.“ … fühlt sich das ganz anders an.
Nicht, weil sie sich wichtiger macht, sondern weil sie Verantwortung übernimmt für sich und das, was sie tut. Genau das gilt auch für deinen Elevator Pitch.
Elevator Pitch als Teil des Personal Branding
Wenn du dich mit Personal Branding beschäftigst, kommst du an einem passenden Elevator Pitch nicht vorbei. Beim Personal Branding geht es darum, dich souverän und passend zu deinen Zielen zu präsentieren. Wenn dich das Thema interessiert, ist dieses kostenlose Webinar etwas für dich.
Ein letzter Tipp
Ein Elevator Pitch ist nicht in Stein gemeißelt, sondern lebendig.
Je nachdem, ob du mit einer Führungskraft, einer Projektleitung, einer neuen Kollegin oder einer Kundin sprichst und auch je nach Situation, kannst (und solltest) du einzelne Schwerpunkte anpassen.
Wichtig bleibt:
Du möchtest, dass andere verstehen, welchen Beitrag du leistest – und warum deine Arbeit wichtig ist. Wofür du Ansprechpartnerin bist. Was deine Themen sind. Genau das ist Personal Branding. Du musst dich nicht verstellen und es hat nichts mit Arroganz oder Eigenlob zu tun. Du bist einfach klar in dem, wie du dich präsentierst.
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Die Autorin
Judith Ahrholdt war über 20 Jahre im Assistenzumfeld tätig als Abteilungsleiterin für Assistenzen und hat sich intensiv mit moderner Rollenentwicklung und Jobcrafting beschäftigt. Sie ist zertifizierte Trainerin und Autorin.


