
Wenn dich jemand spontan fragen würde, was du den ganzen Tag lang so machst – könntest du es auf Anhieb beantworten? Wahrscheinlich fallen dir jede Menge Aufgaben ein, vielleicht aber nicht gerade die, für die du wirklich stehen möchtest.
Viele Assistenzen leisten jeden Tag enorm viel, können aber nur einen Bruchteil davon benennen. Zu den offiziellen Aufgaben kommen die Dinge, die „mal eben schnell“ erledigt werden: die kurzfristige Organisation eines Workshops, das Retten einer Präsentation fünf Minuten vor dem Vorstandstermin oder das Vermitteln zwischen fünf Beteiligten, die alle etwas anderes wollen.
Diese Aufgaben verschwinden oft im Alltag. Sollten sie aber nicht, wenn sie wichtig sind für deine Karriere.
Deshalb empfehle ich jeder ambitionierten Assistenz, ihre Aufgaben systematisch zu dokumentieren. Lege dir eine Liste an und ergänze sie laufend. Notiere nicht nur die Aufgaben, die in deiner Stellenbeschreibung stehen, sondern auch alles, was du zusätzlich übernimmst.
Wichtig: So eine Liste entsteht natürlich nicht an einem Nachmittag. Manche Tätigkeiten kommen täglich vor, andere nur einmal im Quartal oder sogar einmal im Jahr. Gib dir Zeit und sammle einfach konsequent weiter.
Warum sich dieser Aufwand lohnt? Hier sind die wichtigsten Gründe.
Du erkennst, wo du heute stehst
Viele Assistenzen unterschätzen den Umfang und die Komplexität ihrer eigenen Rolle.
Erst wenn du deine Aufgaben vollständig vor dir siehst, wird deutlich, welche Verantwortung du tatsächlich trägst, welche Entscheidungen du beeinflusst und welchen Beitrag du zum Unternehmenserfolg leistest.
Vergleichst du deine Tätigkeiten anschließend mit der Global Skills Matrix, erhältst du ein realistisches Bild deiner aktuellen Karrierestufe.
Du erkennst, wohin du dich entwickeln möchtest
Sobald du weißt, wo du stehst, kannst du bewusst entscheiden, wie dein nächster Karriereschritt aussehen soll.
Möchtest du strategischer arbeiten? Mehr Verantwortung übernehmen? Eine andere Assistenzrolle anstreben? Oder vielleicht langfristig aus der Assistenz heraus wechseln?
Deine Aufgabenliste zeigt dir sehr deutlich:
- Welche Tätigkeiten zu deinen Zielen passen
- Welche Aufgaben dich eher ausbremsen
- Welche Erfahrungen dir für den nächsten Karriereschritt noch fehlen
Du kannst deine Entwicklung belegen
Erinnerst du dich noch daran, was du vor zwei Jahren alles gemacht hast?
Die meisten Menschen nicht.
Wenn du deine Aufgaben regelmäßig dokumentierst, wird deine Entwicklung sichtbar. Du kannst nachvollziehen, welche zusätzlichen Verantwortlichkeiten du übernommen hast und welche Kompetenzen hinzugekommen sind.
Das ist besonders wertvoll für:
- Gehaltsgespräche
- Entwicklungsgespräche
- Beförderungen
- interne Bewerbungen
Denn Fakten überzeugen grundsätzlich besser als Erinnerungen.
Du schaffst die Grundlage für Jobcrafting
Jobcrafting beginnt nicht mit Veränderungen, sondern mit Übersicht.
Bevor du entscheiden kannst, welche Aufgaben du ausbauen, reduzieren oder neu gestalten möchtest, musst du zunächst wissen, was überhaupt alles auf deinem Schreibtisch landet.
Deine Aufgabenliste wird damit zum Ausgangspunkt für wichtige Fragen:
- Was gibt mir Energie und Freude?
- Was kostet mich Energie und nervt mich?
- Was zahlt auf meine Karriereziele ein?
- Was hält mich von ihnen ab?
Du stärkst deine Positionierung
Wofür möchtest du bekannt sein?
Für Terminplanung? Für Projektmanagement? Für Stakeholder-Kommunikation? Für strategische Unterstützung?
Viele Assistenzen überlassen ihre Positionierung dem Zufall. Erfolgreiche Assistenzen tun das nicht.
Wenn du deine Aufgaben kennst, kannst du bewusst entscheiden, welche Kompetenzen du sichtbar machen möchtest – im Unternehmen, im Netzwerk und auf Plattformen wie LinkedIn.
Du bewirbst dich gezielter
Wer seine eigenen Aufgaben nicht kennt, hat oft Schwierigkeiten, passende Stellenanzeigen zu bewerten.
Wer seine Aufgaben kennt, erkennt dagegen schnell:
- Welche Rollen wirklich zum nächsten Karriereschritt passen
- Welche Stellen zwar schön formuliert sind aber nicht zu dir passen
- Welchen Mehrwert du bietest im Vergleich zu Mitbewerber:innen
Zusätzlich wird es deutlich einfacher, den Lebenslauf individuell auf eine Position anzupassen.
Fazit
Viele Assistenzen, Referent:innen und Chiefs of Staff dokumentieren ihre Aufgaben erst dann, wenn ein Mitarbeitergespräch, eine Bewerbung oder ein Gehaltsgespräch vor der Tür steht.
Dann ist es oft zu spät. Dir fällt gar nicht mehr alles ein und sortiert bekommst du es auf die Schnelle auch nicht mehr.
Wer seine Aufgaben kontinuierlich festhält, gewinnt etwas Wertvolles: Klarheit über den eigenen Beitrag, die eigene Entwicklung und die eigenen Karrierechancen.
Wenn du deine Karriere aktiv gestalten möchtest, solltest du zuerst wissen, was du heute eigentlich alles leistest.
Die Autorin
Judith Ahrholdt war über 20 Jahre im Assistenzumfeld tätig als Abteilungsleiterin für Assistenzen und hat sich intensiv mit moderner Rollenentwicklung und Jobcrafting beschäftigt. Sie ist zertifizierte Trainerin und Autorin.

